Die Belohnungstafel

By Fabienne Truffer | Deine Familie

Letzthin am Mittagstisch entfuhr meinem kleinen Mädchen ein Seufzer: "Hach, du bist die beste Mama der Welt!" Ich freudig überrascht: Oh vielen Dank mein Schatz!" "Ja, weisst du, bei dir gibt es nie Strafen. Manche Kinder aus meiner Klasse kriegen Strafe wegen einer schlechten Note, oder weil sie etwas vergessen haben oder frech waren. Das gibt es bei uns alles nicht!"

Dafür erhalten unsere Kinder übrigens auch kein Geld bei guten Noten, Kleberli bei Mithilfe im Haushalt usw.!

Und so entstand eine spannende Diskussion über Strafen, Regeln und Gehorsam im Allgemeinen.

Als Kindergärtnerin hatte ich Strafen. Ich hatte auch Belohnungstafeln. Nein, falsch, nicht mehrere, ehrlich gesagt nur eine. Ich kam bald darauf, dass das nicht funktionierte. Zumindest nicht genau bei den Kindern, bei der das Belohnungssystem eigentlich "wirken" sollte.

Das klingt so schön, ein Belohnungssystem. Aber ehrlich hingeguckt ist es auch nur eine Bestrafung welche das Kind kriegt, indem es die Belohnung halt nicht erhält. Die Kinder durchschauen es meistens sehr schnell. Und sie sind ja kooperativ und wollen mitmachen und darum funktioniert es eine Zeit lang ganz gut. Mal abgesehen davon, dass es für die Eltern ziemlich intensiv sein kann, das Punktesystem oder was auch immer im Blick zu haben und es zu verwalten. Zeit, die wir lieber mit unseren Kindern verbringen können, als sie zu kontrollieren....!

Ja, aber sagst du nun, unser ganzes System ist so aufgebaut. Da kommen die Noten in der Schule, die Bussen im Strassenverkehr bei falschem Verhalten, die Boni im Business. Du hast absolut recht. Aber schau dir unsere Welt an. Willst du wirklich behaupten das System sei das Nonplusultra? Wollen wir nicht unsere Welt verändern? Zu einem besseren Platz für unsere Kinder werden lassen? Dafür müssen wir nicht das ganze System auf der Welt verändern, sondern nur schon mal unser eigenes in unserer Familie. Genau damit beginnen wir.

Natürlich gibt es auch bei uns Diskussionen, Streit, Ärger und Dinge müssen einfach erledigt werden. Und ich gebrauche leider auch immer wieder mal ein "wenn du jetzt nicht....dann....!" Ich arbeite dran. Ich bin auch in diesem System gross geworden. Aber diese "Wenn...dann"- Sätze sind eine Machtdemonstration und überhaupt nicht respekt- und liebevoll!

Aber wie bringe ich sonst die Kinder dazu aufzuräumen, ihr Instrument zu üben, die Hausaufgaben zu machen, nach dem Toilettengang die Hände zu waschen usw. ?

Kinder lieben uns bedingungslos und wollen es uns recht machen. Das ist ein Grundsatz den du dir bewusst machen sollst. Sie sind kooperationsbereit! Meistens......fast immer!

Und die Eltern heutzutage wollen ihre Kinder zu selbstständigen, selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen erziehen. Sie wertschätzend begleiten und nicht alleine lassen mit Sorgen, Problemen, Schwierigkeiten.

Dazu gehört viel Vertrauen. In sich selbst und in die Kinder. Es heisst auch, sich selbst weiterentwickeln, beobachten und hinterfragen.

Kinder tanzen uns nicht auf der Nase herum, wenn wir auf ihre Bedürfnisse eingehen. Sie erkennen unser Vertrauen und schätzen das.

Meine Tipps zum Thema:

  • Wenn es um etwas geht, dass immer wieder als Streitpunkt auftaucht (wie Zähne putzen, Hausaufgaben machen usw. ) nie in der jeweiligen Situation beginnen zu diskutieren. Die Gemüter sind dann meistens müde oder zu sehr erhitzt.
  • Möglichst sanft den Konflikt beenden, einen Kompromiss finden und vorwiegend das Gefühl des Kindes spiegeln: "Ja, ich höre dich, du bist jetzt wütend, dass wir schon gehen müssen. Willst du selber laufen oder soll ich dich Huckepack nehmen?" "Ja, ich sehe, dass du grad so schön gespielt hast und bist nun traurig, weil du ins Bett sollst. Soll ich dir nach dem Zähneputzen eine Geschichte vorlesen oder wollen wir ein Liedchen singen im Bett?"
  • Bringe dann das Thema in einer ruhigen Situation zur Sprache: "Du wir haben immer so ein Theater mit dem Zähne putzen. Das gefällt mir nicht! Aber es ist mir wichtig, dass du deine Zähne regelmässig putzt. Was könnten wir tun, damit dir das einfacher fällt?"
  • Unterstelle deinem Kind keine böse Absichten und Provokation. Das ist es in den wenigsten Fällen. Hinterfrage, warum das Kind so gehandelt hat, was seine Motivation dazu war.

Dein Kind braucht keine Bestrafung. Auch nicht durch Belohnungen. Denn Belohnungstafeln vermitteln dem Kind:

  • Misstrauen gegenüber ihm und seinem Verhalten
  • Unselbständigkeit: nur wenn du etwas erhältst tust du was dafür
  • keinen eigenen Ehrgeiz etwas selber zu können, zu wollen, zu tun
  • das Miteinander wird ein Tauschgeschäft
  • Berechnend, strategisch agieren statt hilfsbereit und empathisch

Ich wünsche dir ganz viel Spass und Freude mit und an deinem Kind!

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Ich empfehle dir übrigens zu diesem Thema das Buch "Kindheit ohne Strafen" von Katharina Saalfrank vom Beltz Verlag. (Eine total uneigennützige, aber von Herzen kommende Werbung!)

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Lieben Gruss

Fabienne

About the Author

Fabienne ist Mama von zwei Mädchen, Hausfrau, Puppenmacherin, Schäferin und Lebensliebhaberin! Sie hilft Mamis, die allen gerecht werden wollen, sich nicht zu verausgaben und ihre Kräfte zu behüten!