Wer fehlt auf deinem Familienfoto?

 

«Wir sagen es erst nach der zwölften Woche.»

Diesen Satz kennen wahrscheinlich viele von uns.

Ein Paar erfährt, dass ein Kind unterwegs ist. Die Freude ist riesig. Vielleicht wissen es die Eltern, die beste Freundin – vielleicht auch niemand.

Denn man wartet bis zur zwölften Woche, bis die Schwangerschaft «sicherer» ist.

Und dahinter steckt ein Gedanke, den ich durchaus nachvollziehen kann:

Falls wir das Kind verlieren, müssen wir es wenigstens nicht allen erzählen.

Aber genau dieser Gedanke beschäftigt mich.

Denn was passiert, wenn dieses Kind tatsächlich geht?

Dann verliert eine Frau vielleicht ein Kind, von dessen Existenz kaum jemand wusste.

Sie trauert – und rundherum läuft die Welt einfach weiter.

Niemand fragt nach.

Niemand weiss, warum sie stiller ist.

Warum sie gerade nicht feiern möchte.

Warum ein bestimmter errechneter Geburtstermin Monate später noch einmal etwas in ihr auslöst.

Natürlich entscheidet jede Frau selbst, wann und wem sie von einer Schwangerschaft erzählen möchte. Es geht mir überhaupt nicht darum, daraus eine neue Regel zu machen.

Aber vielleicht dürfen wir die alte Regel hinterfragen.

Warum soll ein Kind erst ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche einen sichtbaren Platz in unserer Geschichte bekommen?

In der systemischen Arbeit nach Bert Hellinger begegnet uns ein sehr berührender Gedanke:

Auch Kinder, die nicht lebend geboren wurden oder nur sehr kurz bei uns waren, können in der Familiengeschichte ihren Platz behalten.

Damit das, was war, sein darf.

Vielleicht braucht es dafür manchmal nur einen Satz:

Du warst da. Du gehörst zu unserer Geschichte. Und du hast deinen Platz.

Mich berührt dieser Gedanke sehr.

Denn Familien bestehen nicht nur aus den Menschen, die heute mit uns am Tisch sitzen.

Da sind auch jene, die vor uns waren.

Menschen, die früh gegangen sind.

Kinder, die nicht bleiben konnten.

Geschichten, über die jahrzehntelang geschwiegen wurde.

Und manchmal auch Menschen, deren Platz irgendwann unbewusst von jemand anderem eingenommen wurde.

Genau darum geht es in meiner neuen Podcastfolge über Bert Hellinger und die Ordnung innerhalb von Familien.

Wir sprechen darüber, warum Verstorbene nicht einfach aus einer Geschwisterreihe verschwinden, weshalb ein Kind nicht zum Ersatzpartner eines Elternteils werden sollte, warum leibliche und Adoptiveltern unterschiedliche und jeweils wichtige Plätze haben – und weshalb Eltern ihren Kindern vielleicht etwas viel Wertvolleres sein können als ihre besten Freunde.

Und wir kommen zu einer Frage, die mich seit meiner eigenen Arbeit mit Familiensystemen immer wieder beschäftigt:

Stehe ich eigentlich auf meinem eigenen Platz – oder trage ich eine Rolle, die ursprünglich gar nicht meine war?

🎧 Die neue Folge findest du jetzt überall dort, wo du meinen Podcast hörst.

Vielleicht hörst du sie nicht nur für dich.

Vielleicht gibt es in deiner eigenen Familie jemanden, dessen Name schon sehr lange nicht mehr gefallen ist.

Und vielleicht beginnt Würdigung manchmal ganz schlicht damit, wieder über jemanden zu sprechen.

Denn Schweigen macht eine Geschichte nicht ungeschehen.

About the author Fabienne Truffer

Fabienne ist Mama von zwei Mädchen, Hausfrau, Puppenmacherin, Schäferin und Lebensliebhaberin! Sie hilft Frauen, die allen gerecht werden wollen, sich nicht zu verausgaben und ihre Kräfte zu behüten! Dabei ist ihre Superkraft das Mond-/Zykluswissen....

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